Fehler in der Fütterung sind die häufigste Ursache für Krankheiten und vorzeitiges Versterben in menschlicher Obhut.
Was fressen Schildkröten in der Natur?
In ihrer natürlichen Umgebung – z. B. in Südeuropa oder Mittelasien – leben die Tiere in kargen, trockenen Landschaften. Dort finden sie nur im Frühling frisches Grün. Im Sommer wird das Futter trocken und rohfaserreich – vergleichbar mit Heu. Diese Pflanzen sind:
- arm an Eiweiß und Zucker
- reich an strukturierter Rohfaser
Wie funktioniert die Verdauung?
- Schildkröten haben kleine Mägen und müssen viele kleine Portionen über den Tag verteilt fressen.
- Blinddarm und Dickdarm sind ausgedehnte „Gärkammern“ mit vielen nützlichen Bakterien und Einzellern, die die faserreiche Nahrung aufschließen.
- Das Futter bleibt bis zu zwei Wochen im Verdauungstrakt.
Wenn Schildkröten jedoch zu weiches, eiweißreiches oder zuckerhaltiges Futter (z. B. Obst, Salat, Gemüse) bekommen:
- stört das die Darmflora
- entstehen Fehlgärungen
- drohen Durchfall, Flüssigkeitsverlust und schwere Erkrankungen
- auch parasitäre Erkrankungen können gefördert werden
Warum ist zu viel Eiweiß gefährlich?
Schildkröten können kaum Wasser ausscheiden. Um trotzdem zu überleben, geben sie Abfallstoffe als feste Harnsäuresalze (Urate) ab. Bei zu viel Eiweiß reichern sich diese im Körper an.
Die Folgen:
- Gicht
- Nierenversagen
- starke Schmerzen und oft ein tödlicher Verlauf
Was brauchen europäische und asiatische Landschildkröten wirklich?
Ein geeignetes Futter sollte:
- sehr rohfaserreich sein
- wenig Zucker und Stärke enthalten
- nur wenig Eiweiß (5–8 %) aufweisen
- aus vielen verschiedenen Wildpflanzen bestehen
So bekommen die Tiere ausreichend:
- Vitamine (besonders A und E)
- Mineralstoffe und Spurenelemente
- Relativ ausgewogenes Verhältnis an Kalzium und Phosphor (Kalzium sollte zusätzlich durch bspw. Testudo Sepiaschalen ergänzt werden)
Temperatur ist entscheidend für die Verdauung
Damit Schildkröten faserreiches Futter richtig verdauen können, brauchen sie Wärme. Die optimale Körpertemperatur liegt bei 35–37 °C. Diese erreichen sie durch:
- Sonnenbaden im Freien
- im Terrarium: starker Wärmestrahler mit Bodentemperatur von 35–40 °C am Sonnenplatz
- gleichzeitig muss es kühle Rückzugsorte geben!
Wärme und Licht fördern die Fresslust und die Verdauung.